Seminarmappe: Glückliche Kinder brauchen glückliche Eltern und ErzieherInnen

April 24, 2017

 

 

 

 

 

 

 

 

 

                      

 

 

 

 

 

 

Tagesseminar:

Glückliche Kinder brauchen glückliche Eltern und glückliche ErzieherInnen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

                                                                                            

 

          

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Inhaltsverzeichnis

 

1. Glücksübung 

 

2. Basiswissen über Glück in Gehirn und Körper 

2.1 Gibt es Glücksareale im Gehirn? 

2.2 Botenstoffe des Glücks. 

2.3 Hängt Glück von unseren Gedanken ab? 

2.4 Körper 

 

3. Die empirische Glücksforschung 

 

4. Glücksübung  

4.1 Dankbarkeit 

4.2 Der Dankbarkeitsbrief 

 

5.Glück und Erziehung 

5.1 Wie kann ein Kind Glück lernen?

5.2 Vorbeugung der erlernten Hilflosigkeit 

5.3 Glücksförderliches in der Erziehung

5.3.1 Synchronspiele

5.3.2 Spielzeug

5.3.4 Flow fördern

5.3.5 Der Gebrauch von „Ja“ oder „Nein“ 

5.3.6 Der Umgang mit Lob und Strafe

5.3.7 Smiley- Gesichter 

5.3.8 Goldstücke beim Zubettgehen

 

6. Glücksübung für die Eltern 

6.1 Die „Grabrede“ zum Finden Deiner geheimen Wünsche und Ziele

6.2 Glücksübung

 

7. Abschlussgedanken

 

8. Literaturliste

 

 

 

 

 

„Das gute Leben, wie ich es mir vorstelle, ist ein glückliches Leben. Ich meine nicht, dass du glücklich wirst, wenn du gut bist. Ich meine: Wenn Du glücklich bist, wirst Du gut sein.“ 

                                                                                                        Bertrand Russel

                      

Herzlich Willkommen zu diesem Seminar mit dem Titel „glückliche Kinder brauchen glückliche Eltern und ErzieherInnen“.

Wer sich dafür interessiert, wie wir unseren Kindern Glück beibringen können, sollte zunächst auf sich selber schauen. Bist Du glücklich? Wie kannst Du wollen, dass Dein Kind glücklich ist, wenn Du es selber nicht bist? Weißt Du denn nicht, dass Kinder am Modell lernen? Sie ahmen alles nach. Jede Deiner Verhaltensweisen wird genau von Deinem Kind beobachtet. Je öfter Dein Kind glücksbringende Verhaltensweisen an Dir beobachtet, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass es selber glücklich wird. Dies werde ich Euch etwas später anhand von neurologischen Befunden genauer erklären. Doch zunächst werden wir uns Deinem Glück widmen:

 

1. Glücksübung 1

Schreibe bitte 10 Dinge auf, die Dir Spaß machen:

 

1._____________________________________________________________

 

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3.____________________________________________________________

 

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10.__________________________________________________________

 

Nun schreibe bitte 10 Dinge auf, die Dich glücklich machen:

 

1._____________________________________________________________

 

2.____________________________________________________________

 

3.____________________________________________________________

 

4.____________________________________________________________

 

5.____________________________________________________________

 

6.____________________________________________________________

 

7.____________________________________________________________

 

8.____________________________________________________________

 

9.____________________________________________________________

 

10.___________________________________________________________

 

Bitte notiere drei der spaßbringenden und drei der glücksbringenden Faktoren auf die Kärtchen, die auf dem Tisch liegen, um sie an die Pinnwand zu heften.

 

 

Hausaufgabe

Jede Woche wirst Du wenigstens je eine Sache von beiden Listen erledigen! Vergiss es nicht. Dies ist sehr wichtig für Dein Glück!

 

Wenn es Hindernisse gibt, warum, Du Deine Hausaufgaben nicht erledigen kann, sprich es in der Gruppe an, damit wir eine Lösung dafür finden.

 

 

 

 

 

2. Basiswissen über Glück in Gehirn und Körper

2.1 Gibt es Glücksareale im Gehirn?

Glück und Freude sind die stärksten Determinanten unseres Lebens. Glück und Freude suchen wir aktiv auf und streben danach, während wir Angst erregende und gefährliche Situationen vermeiden. Angst lähmt uns, hindert uns am Denken.

Alle lebenserhaltenden Maßnahmen, wie Essen, Geschlechtsverkehr, Pflege der Kinder und Sozialverhalten gehen mit einem angenehmen Gefühl einher. Dies sind teilweise unbewusste Verhaltensprogramme, die reflexartig von stammesgeschichtlich sehr alten Gehirnregionen gesteuert werden.

 

 

 

 

 

Es zeigte sich im Verlauf der Forschung, dass die belohnende und angenehme Wirkung auf ein Nervenfaserbündel im Gehirn zurückzuführen ist, welche ein bestimmtes Kerngebiet des Mittelhirns (das ventrale tegmentale Areal) mit dem Vorderhirn verbindet. Die Reizung geht auf eine Stimulation dieser Verbindungsbahnen zurück.

2.2 Botenstoffe des Glücks

Serotonin-                das ruhige Glück des Wohlbefindens.

Oxytocin-                   ebenfalls ein ruhiges Glück des Wohlbefindens, das Treuehormon, wird ausgeschüttet bei einem Orgasmus und bindet die Partner aneinander. Löst Wehenkontraktion aus und bindet die Mutter an ihr Kind. Wird auch bei Berührung ausgeschüttet.

Adrenalin,

Noradrenalin –        will Bewegung und Abenteuer. Wird bei Herausforderungen aktiv.

Dopamin-                 will Bewegung und Aktivität, ist aber auch z.B. beim Raucherglück aktiv und sorgt so mit für die Abhängigkeit.

Endorphine-             werden ausgeschüttet, wenn das Zentralnervensystem übererregt wird, z.B. bei einem Fallschirmsprung.

 

Das endokrine System (der Hormonhaushalt) ist sehr sensibel. Alle Hormone sind wechselseitig auch mit unserem Wohlbefinden verknüpft. Auch das Stresshormon Kortisol hat wichtige Funktionen im Hormonhaushalt. So kann man im Grunde genommen gar nicht, von den Glückshormonen sprechen. Das Hormonsystem sollte im Gleichgewicht sein, dann ist es auch in der Lage bei Glück und Freude entsprechende Gefühle bereitzustellen.

 

2.3 Hängt Glück von unseren Gedanken ab?

 

 

 

Dies sind zwei Neuronen. In unserem Gehirn finden wir eine Milliarde Neuronen. Davon ist ein Neuron mit 1.000 bis 10.000 anderen Neuronen verknüpft. Deshalb haben wir Assoziationsketten. So kommt es, dass ich von einem Gedanken zum nächsten springe. Ich denke z.B. das der Wagen zum TÜV muss, dann an die Kosten, die evt. zustande kommen. So kommt es, dass ich an meinen aktuellen Kontostand denke, an die Höhe meiner monatlichen Einnahmen, an meinen Arbeitgeber. Von dort ist es nicht weit zu dem Gedanken an meine Arbeit, an die furchtbare Kollegin usw.

Es ist wichtig die eigenen Gedanken zu kontrollieren, denn negative Gedanken ziehen eine negative Assoziationsspirale nach sich, rufen negative Gefühle hervor und haben negative Auswirkungen auf meine Gesundheit. So ist es bereits erwiesen, dass negative Gedanken in eine Depression münden können.

Andersherum rufen positive Gedanken eine positive Assoziationsspirale nach sich und auch gute Gefühle. Die Auswirkung auf die Gesundheit ist positiv. Körper und Geist fühlen sich gut. Neben der Gesundheit fördert dies auch die Kreativität, das Denken und die Problemlösungskompetenz.

 

Wenn ich etwas lerne, dann versuche ich mir etwas Bestimmtes zu merken. Immer wieder und immer wieder bis ich es kann. Das Neuron, bei dem der Reiz ankommt, möchte sich mit einem anderen Neuron verbinden, wenn wir lernen. Erst dann können wir uns das gelernt merken. Also wächst ein „Tentakel“ (in der Fachsprache als Axom bekannt) des Neurons solange, bis es auf eine andere Gehirnzelle trifft. Dann verbindet es sich mit einem „Tentakel“ des anderen Neurons (Dendrit) durch eine Synapse. Je öfter ich das Gelernte wiederhole, umso dicker wird die synaptische Verbindung. Ist sie sehr dick, geht das Gelernte ins Unbewusste über. So entstehen Denkmuster.

Ein Beispiel: Ein Kind hört von seiner Mutter immer wieder „Stell Dich nicht so an!“ Je öfter das Kind dies hört, desto dicker werden die synaptischen Verbindungen im Gehirn zu dieser Aussage. Irgendwann stellt das Kind sich nicht mehr an. Im Erwachsenenalter kann es dann seine Bedürfnisse nicht ausdrücken, weiß aber gar nicht, woher dieses Denkmuster kommt.

 

 

Glück ist erlernbar! Doch dauert es eine Weile. Wie lange brauchst Du, um eine fremde Sprache zu erlernen? Damit ist das Erlernen von Glück gleichzusetzen. Denn bestehende synaptische Verbindungen sind nicht löschbar. Sie bleiben immer bestehen, wenigstens als Gedankenspuren. Allerdings können sie wieder dünner werden, dadurch, dass Du sie einfach nicht gebrauchst. Doch dies ist oft schwierig. Unsere Gedankenmuster zwingen uns oft mit ungeheurer Macht dazu, sie immer wieder zu denken.

Doch solltest Du es versuchen. Menschen, die positiv denken haben eine gesündere Gehirnstruktur, als Menschen mit überwiegend negativen Gedanken.

 

Weißt Du wie viele negative zu positiven Gedanken ein an Depressionen erkrankter Mensch hat? Wie viele gute Gedanken braucht ein Mensch um gesund zu sein und zu bleiben?

Ein Mensch mit depressiven Verstimmungen hat einen guten Gedanken zu einem negativen Gedanken. Das Verhältnis beträgt also 1:1. Ein gesunder Mensch hingegen hat zwei positive zu einem negativen Gedanken. Mehr gute, freundliche Gedanken zu haben, auch der eigenen Person gegenüber, ist also kein überschätztes Selbstwertgefühl sondern gesund!

 

Es ist wichtig positives Denken einzuüben. Wir sollten es selber tun und es dann unseren Kindern beibringen. Dies ist die beste Ressource, die wir unseren Kindern mitgeben können.

 

2.4 Körper

Wie alle Gefühle nimmt Glück Ausgang in Körper und Gehirn.  Denn Wohlbefinden entsteht erst dann, wenn das Gehirn die richtigen Signale von Herz, Haut, Muskeln empfängt und deutet. Ohne unseren Körper wären wir zum Glücklichsein außerstande. Der Körper ist also wichtig für unser Glück.

Wenn man glücklich ist, pulsiert das Blut etwas schneller in den Adern. Es ist um drei bis fünf Herzschläge pro Minute erhöht. Die Hauttemperatur steigt um ein Zehntel Grad, weil sich die Durchblutung verbessert. Aufgrund der Erregung wird die Haut etwas feuchter, der elektrische Hautwiderstand sinkt. Wenn man sich gut fühlt, entspannen sich die Muskeln an den Gliedmaßen, was dazu führt, dass die Mikrobewegungen der Finger, die Forscher genau bemessen haben (Zittern) weicher werden lässt. Hinzu kommen Veränderungen, die wir nicht direkt spüren können. Freude verschiebt das Gleichgewicht der Hormone.

Beim Lachen ist der Augenbrauenmuskel gelöst, der bei Trauer und Furcht die Miene des Entsetzens erzeugt, indem er die Brauen hinaufzieht.

Gedanken, Erinnerungen, Hoffnungen allein lassen uns keine Emotionen erleben. Erst wenn sie sich mit den richtigen Körpersignalen verbinden, können wir Freude empfinden. Denn aus diesen Signalen konstruiert das Gehirn die Wahrnehmung leiblichen Wohlbefindens. Schließlich kann man mit verspannten Muskeln und Angstschweiß auf der Stirn kaum glücklich sein.

Das Glück entspringt also mindestens ebenso sehr unserem Körper, Armen und Beinen, Herz und Haut, wie unseren Vorstellungen und Gedanken.

Für die Steuerung des Körpers u damit auch für die Emotionen sind nämlich Nervenbahnen zuständig, auf die das Bewusstsein kaum Einfluss hat.

Anatomiebücher zeigen das Nervengeflecht des Körpers meist als Baum, der auf dem Kopf steht und gewissermaßen im Gehirn wurzelt. Dort entspringt der Stamm des Rückenmarks, aus dem sich die Signalwege immer feiner in die Organe und Glieder verzweigen. So entsteht der Anschein, all diese Bahnen seien zu einem einheitlichen Gebilde verflochten.

Das stimmt aber nicht. Das menschliche Nervensystem zerfällt tatsächlich in zwei Teile, die weitgehend voneinander getrennt arbeiten: Man unterscheidet das willkürliche vom unwillkürlichen Nervensystem.

 

Das willkürliche (oder somatische) Nervensystem steuert die meisten Muskeln, die unsere Knochen bewegen. Über seine Leitungen laufen die Befehle, wenn ich meinen Finger abknicken will, um zu schreiben, etc. Solche Kommandos kommen aus der Großhirnrinde, die direkt unterhalb der Schädeldecke liegt, wo Wünsche, Vorstellungen und Gedanken entstehen.

 

Das unwillkürliche (autonome) Nervensystem entspringt im Hirnstamm, der in Nackenhöhe liegt. Hier sitzen Schaltungen, die grundlegende Funktionen des Organismus regeln. Sie steuern Wachen und Schlaf, kontrollieren den Herzschlag, regen die Geschlechtsteile an. Die Leitungen des unwillkürlichen Nervensystems führen zu den inneren Organen, den Blutgefäßen bis zu den winzigen Hautmuskeln, die unsere Härchen aufrichten. Dieser Teil des Nervensystems bewirkt dass wir bei Scham erröten, dass uns vor Angst die Haare zu Berge stehen und dass das Herz rast, wenn wir verliebt sind. Auch werden hier lebenswichtige Vorgänge im Körper reguliert. (Herstellung chem. Botenstoffe, z.B. bei Alkoholabbau in der Leber). In der Hirnanhangsdrüse kann das Gehirn sogar selbst Botenstoffe herstellen und sie direkt in die Blutbahn geben, wobei es chemische und elektrische Impulse gibt. Ist das System aus dem Gleichgewicht, ist der Blutzuckerspiegel gesunken, quält uns Hunger.

Und da wir auf das unwillkürliche Nervensystem kaum Einfluss haben, können wir nicht einfach beschließen glücklich zu sein. 

 

So sind nicht nur die Vorgänge der Körpersteuerung, sondern auch die Emotionen selbst vom direkten Einfluss des Willens abgeschirmt. Wir können sie nur indirekt steuern, indem wir uns Gutes tun, also unsere Umwelt und unsere Gedanken verändern, oder uns an schöne Situationen erinnern. Aber wir können nicht wählen, ob wir Angst haben wollen, wenn im Wald ein riesiger Bär auf uns zukommt. Der Körper antwortet auf eine solche Bedrohung, um wertvolle Zeit zu nutzen. Denn intuitives Handeln geht am bewussten Denken vorbei und spart bei Gefahr wertvolle Zeit. Manchmal weiß der Körper mehr als der Verstand. Intuition ist fest im Körper verankert und wird aus unseren Erfahrungen erworben.

Umgekehrt empfinden wir Lust, sobald wir etwas bemerken, dass uns nutzen könnte. Kommt uns ein Freund entgegen, huscht ein Lächeln über unser Gesicht und wir empfinden Freude. Haben wir Hunger und riechen den Duft einer Bäckerei, läuft uns das Wasser im Mund zusammen. So erleben wir Gefühle, indem wir die unwirklichen Reaktionen unseres Körpers wahrnehmen.

 

3. Die empirische Glücksforschung

In den 1980er Jahren hat sich die positive Psychologie etabliert. Vorreiter war Martin Seligmann, der sich 35 Jahre vorher mit der Entstehung von Depressionserkrankungen beschäftigt hat. Aus der positiven Psychologie hat sich die Glückswissenschaft entwickelt. Mehrfach wurde belegt, welche Auswirkung Glück oder positiven Empfindungen auf die Gesundheit haben. Hier einige Beispiele der Forschungsergebnisse, die mittlerweile in die Hunderte gehen:

 

  • Der Kortisolspiegel sinkt. Immunglobin wird vermehrt bei glücklichen Menschen ausgeschüttet. Immonglubin stärkt das Immunsystem. Glückliche Menschen sind weniger häufig krank.

  • Positive Emotionen und die Länge des Lebens korrelieren positiv miteinander. Wer vermehrt positive Gedanken hat, lebt länger. Einer Metaanalyse von Veenhoven zufolge sind es ganze 7-10 Jahre, die wir an Lebenslänge gewinnen. Der Effekt auf die Gesundheit ist damit vergleichbar, ob jemand raucht oder nicht.

  • Glückliche Menschen empfinden weniger Schmerz.

  • Glück ist gut für die kardiovaskulären Werte. Also für das Herz-Kreislaufsystem. Wenn sich ein eher glücklicher Mensch aufregt, dann beruhigt sich sein Körper schneller wieder, als der Körper eines eher nicht-glücklichen Menschen.

Dauerhafter Bluthochdruck trägt zu einer höheren Wahrscheinlichkeit zu Infarkten, Schlaganfällen und Nierenversagen bei. Glückliche Menschen haben ein signifikant geringeres Risiko an diesen Krankheiten zu leiden.

  • Die Qualität des Schlafes ist bei glücklichen Patienten besser.

  • Die Atmung glücklicher Menschen ist tiefer und langsamer. Glückliche Menschen treiben häufiger Sport und verhalten sich wahrscheinlich gesünder. Übrigens: Joggen erhöht die Lebenszufriedenheit signifikant.

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Nicht nur die Gesundheit profitiert vom Glück.

Glückliche Menschen haben nicht nur ein gutes Immunsystem, sondern auch ein großes soziales Netzwerk. Sie sind flexibler in ihren Gedanken. Die Problemlösungskompetenz steigt. Gut gelaunte Menschen sind eher hilfsbereit und gelassen. Sie neigen zu Toleranz, Friedfertigkeit, Versöhnlichkeit, Offenheit und Wohlwollen anderen Menschen gegenüber. Zudem ist Glück für den beruflichen Erfolg förderlich.

 

 

4. Glücksübung 2

Die Forschung beschäftigt sich damit, was die meisten Menschen glücklich macht. Themen der „Science of Happiness“ sind z.B. positives Denken, Hoffnung, Optimismus, Sinnfindung, Vergebung, der Umgang mit Krisen, etc. Ihr findet die Strategien zum Glück sehr gut erklärt in dem Buch: „Glücklich sein. Warum Sie es in der Hand haben, zufrieden zu leben“ von Sonja Lyoburmiersky.

 

4.1 Dankbarkeit

Wir gewöhnen uns an die Annehmlichkeiten unseres Lebens. An das Auto, an die größere Wohnung, an die Waschmaschine, an den vollen Kühlschrank. Um uns eben nicht an diese Dinge zu gewöhnen, schlägt uns die Forschung vor, dankbar zu sein. Denn durch die Dankbarkeit können wir uns immer noch über unsere Annehmlichkeiten freuen. Dankbarkeit kann man einüben. Fange jetzt damit an. Wofür bist Du dankbar? 

 

Schreibe hier auf, für welche Dinge, Personen, Eigenschaften Du dankbar bist in Deinem Leben:

1.__________________________________________________________________

2.__________________________________________________________________

3.__________________________________________________________________

4.__________________________________________________________________

5.__________________________________________________________________

 

4.2 Der Dankbarkeitsbrief

Bitte schreibe einer Person, der Du dankbar bist, einen Brief. Warum bist Du dankbar, weshalb hat die Hilfsbereitschaft der Person Dir gerade in diesem Moment so geholfen? Beschreibe die Situation genau. Diese Situation kann ruhig ein paar Jahre her sein. Wichtig ist nur, dass Du Dich bei der Person bisher noch nicht bedankt hast.

 

Hausaufgabe

Die Hausaufgabe besteht darin, einen Dankbarkeitsbesuch abzustatten. Besuche die Person, an die der Brief gerichtet ist. Lese Ihr den Brief vor! Nur Mut. Es wird toll. Viele Seminarteilnehmer berichteten von unglaublichen Dingen, die dabei passieren.

 

5.Glück und Erziehung

Glück wird in Oxford, Harvard und seit 2006 auch in einer Heidelberger Schule unterrichtet. Warum? Haben wir endlich erkannt, dass Glück wichtig ist? Jugendliche leiden an einem fünfmal größeren Risiko eine Depression zu erleiden, als ein Erwachsener. Glück stellt eine Ressource dar, die Krankheiten vorbeugen kann, die Entwicklung fördert und die berufliche Entwicklung begünstigt.

 

Und Glück ist erlernbar. So gehen Wissenschaftler davon aus, dass Glück zu 50 % genetisch determiniert ist und zu 10 % von den Umständen des Lebens abhängt. Für einen großen Teil, 40%, sind wir also selber verantwortlich.

 

5.1 Wie kann ein Kind Glück lernen?

 Ein Kind lernt am Modell, alles was das Kind an Mama oder Papa entdeckt, wird es nachmachen. Je öfter eine Verhaltensweise der Eltern an den Tag gelegt wird, desto eher wird das Kind diese nachahmen. Wie geht der Erwachsene mit Problemen und Stress um? Wie kämmt sich Mama das Haar. Putzt Mama sich auch die Zähne? Alle Eltern stehen unter genauester Beobachtung.

Deshalb ist es zunächst sehr wichtig, dass Du glücklich bist. Wenn Du glücklich bist, legst Du glücksförderliche Verhaltensweisen an den Tag, die das Kind sich bei Dir abguckt. Außerdem neigst Du zu Gelassenheit und Geduld Deinem Kind gegenüber, wenn Du positive Gefühle hast. Davon profitiert Dein Kind. Deshalb haben wir uns bisher mit Deinem Glück beschäftigt. Natürlich gibt es noch viel mehr, was Du für Dein Glück tun kannst. Deine Atmung kontrollieren, meditieren, etc. Mehr dazu findest Du in anderen Seminaren von der Glücksschule. Nun aber dazu, was Du außerdem für das Glück Deines Kindes tun kannst:

 

5.2 Vorbeugung der erlernten Hilflosigkeit

Seligmann erforschte, wie es zu einer Depression kommt. Er geht davon aus, dass die erlernte Hilflosigkeit dabei eine große Rolle spielt. Tatsächlich kann die Depression als Folge eines verhängnisvollen Lernprozesses erklärt werden. Dahinter steht die Vorstellung, dass ein depressiver Mensch im Lauf seines Lebens mehrfach erfahren hat, dass er eine Situation nicht beeinflussen kann, gleichgültig wie sehr er sich anstrengt. Häufen sich solche Erlebnisse, entsteht das Gefühl, dem Schicksal machtlos ausgeliefert zu sein. Der US-amerikanische Psychologe Martin Seligmann prägte dafür den Begriff „erlernte Hilflosigkeit“. In Experimenten mit Ratten, Hunden und Menschen fand Seligmann heraus, dass Menschen, die eine unerwünschte Situation, z.B. Stromschläge, nicht durch ihr eigenes Verhalten abstellen konnten, passiv und depressiv wurden. Sie starben sogar vorzeitig. Im Gegensatz dazu haben Tiere und Menschen, die genau die gleiche Menge an Elektroschocks bekommen hatten, aber Kontrolle ausüben konnten (das heißt, sie konnten durch ihr Verhalten die Schocks abstellen) entgegen gesetzte Resultate zeigten: Aktivität, positive Affekte (Gefühle) und bessere Gesundheit.

 

Ihr Kind kennt viele Situationen, die es nicht beeinflussen kann. Wann es in die Kindertagesstätte oder mit zum Einkaufen geht und wann es Mittagessen gibt. Sogar den Speichelfluss oder das nass werden der Windel sind Situationen, die für das Kind nicht änderbar sind.

Um erlernte Hilflosigkeit vorzubeugen, reicht es, wenn das Kind manchmal Kontrolle über wichtige Ereignisse hat. Diese Ereignisse und Situationen sind initiierbar.

 

5.3 Glücksförderliches in der Erziehung

5.3.1 Synchronspiele

Könnt Ihr bei vielen Gelegenheiten mit Euren Babys spielen, im Auto oder beim Essen. Wenn das Baby gegessen hat, könnt ihr darauf warten, dass es auf den Tisch haut. Tut es das, machen es alle am Tisch nach. Das Baby blickt auf, lächelt und haut dreimal auf den Tisch. Alle hauen dreimal auf den Tisch. Das Baby lacht. Innerhalb einer Minute werden sich alle biegen vor lachen und zusätzlich lernt ihr Kind, dass sein eigenes Verhalten, das Verhalten der Menschen, die es liebt, beeinflussen kann- dass es also etwas bedeutet.

 

5.3.2 Spielzeug

Deshalb ist Spielzeug, welches irgendwie reagiert wertvoll. Das Spielzeug sollte reagieren auf Stoßen, drücken, ziehen oder anbrüllen. Die Rassel ist ein Spaß für das Baby, nicht weil die Rassel Geräusche macht, sondern weil das Baby damit Geräusche machen kann.

 

5.3.4 Flow fördern

Auch Flow sollte gefördert werden. Flow wird bezeichnet als das Aufgehen in einer Tätigkeit. Dies entsteht recht leicht bei Kindern. Spielzeug, dass Synchronizität und Flow möglich macht, kann auch preiswert sein:

  • Bauklötze: aufeinanderstellen- umkippen

  • Bücher und Zeitschriften zerreißen ist eine große Freude für ein Baby

  • Höhlen aus Pappe. Große Kartons können dafür genutzt werden. Fenster und Türen ausschneiden. Lock Dein Kind in das Haus hinein.

 

Spiel ist die Urform von Belohnungshandlungen. Spiel bedeutet etwas zu meistern und erzeugt Flow für Kinder jeden Alters.

Gebt Euch Mühe Euer Kind nicht zu unterbrechen. Hetzt es nicht, während es sich entwickelt oder wächst.

Wenn Kinder in ihr Spiel versunken sind, empfiehlt es sich nicht einfach dazwischen zu platzen mit den Worten: “Die Zeit ist um, wir müssen aufhören“. Es ist angenehmer für beide Seiten, wenn Du 10 Minuten früher ins Spielzimmer kommst und ankündigst „In zehn Minuten müssen wir aufhören“.

 

Hilf Deinem Kind eine Sache zu Ende zu machen. Es ist nicht gut, wenn in der Mitte des Aufräumens, alles so bleiben kann wie es ist.

Wenn Du vor Dir hinsagst, was alles noch aufgeräumt werden muss, während Du mit Deinem Kind aufräumst, hilft Euch das dabei. Mit sich selbst sprechen hilft Handlungen zu regulieren und ist eine Methode aus der Psychologie und aus der Gehirnforschung. Zu empfehlen ist auch ein Aufräumlied.

 

5.3.5 Der Gebrauch von „Ja“ oder „Nein“

Nein ist ein wichtiges Wort im Leben eines Kindes, weil es Grenzen setzt und Gefahren signalisiert. Und genau deshalb sollte es nicht inflationär gebraucht werden.

Sei also mit einem Nein sparsam. Sag lieber „Vorsichtig“, wenn das Kind Friseur mit Deinen Haaren spielt und dabei einige Haare auf der Strecke bleiben. Wenn das Kind dem Hund am Schwanz zieht sagen sie „Ei machen“.

Einkaufen mit Kindern ist eine Situation in der wir das Wort Nein gebrauchen müssen, oder etwa nicht?

Ein schönes Beispiel macht dies deutlich. Lena geht mit Mama einkaufen. Sie sind in einem Spielzeugladen, weil Mama ein Geschenk für Lenas Freundin kaufen möchte. Das Kind „Ich will, ich will, ich will“ – Unsere Gelegenheit“ Nein, nein, nein“. Alternativ können wir aber auch zu Lena sagen: „Lena, dein Geburtstag ist in zwei Monaten. Wenn wir nach Hause kommen, setzen wir dieses Videospiel, diese Puppe, auf deinen Wunschzettel.“ Das funktioniert meist, und zugleich lernt das Kind das es impulsiven Forderungen in aufschiebende Zukunftserwartung umwandeln kann, was eine große Stärke ist.

Worte haben unheimliche Bedeutung. Mehr als Sie glauben. Wenn Sie sich fragen, welches Wort tragen Sie im Herzen, ist es eher ein Ja oder ein Nein?

Seligmann meint, dass es ein Wort in Ihrem Herzen gibt und glaubt, dass es sich Tropfen für Tropfen aus den Wörtern zusammensetzt, die wir von unseren Eltern hören.

 

Wenn Dein Kind an jeder Ecke ein ärgerliches Nein hört, sobald es sich einer neuen Situation nähert, wird es ein Nein bereits innerlich vorwegnehmen, es wird zur Salzsäule erstarren und Gelegenheiten zum Erwerb von Fähigkeiten versäumen.

 

5.3.6 Der Umgang mit Lob und Strafe

Die Liebe zu Deinem Kind sollte nicht im Zusammenhang mit dem Verhalten des Kindes stehen. Knüpfe Deine Liebe nicht an eine Bedingung. Dein Kind braucht sie, um positive Emotionen zu erfahren, was ihm wiederum Antrieb für Entdeckungsdrang und Erwerb von Können ist.

Können hingegen ist an Bedingungen geknüpft. Können ist definiert als das Ergebnis, welches abhängig von dem ist, was Dein Kind tut oder leistet. Dieser Unterschied darf nicht verwischt werden.

Erlernte Hilflosigkeit entwickelt sich nicht nur, wenn negative Ereignisse, sondern auch wenn positive Ereignisse unkontrollierbar sind. Wenn Du Dein Kind also ständig lobst, egal was es tut, bestehen zwei Gefahren:

  1. Es kann passiv werden, weil es gelernt hat, dass es immer unabhängig von dem, was es macht gelobt wird.

  2. Es wir Probleme haben zu begreifen, dass es wirklich Erfolg gehabt hat, wenn es aufrichtig gelobt wird.

  3. Ein ständiges Loben hat zur Folge, dass das Kind weder etwas aus seinen Erfolgen noch aus seinem Scheitern lernt.

 

Liebe, Wärme, Begeisterung sollten geäußert werden, ohne an Bedingungen geknüpft zu sein. Je mehr davon, desto positiver ist die Atmosphäre und desto geborgener fühlt sich Dein Kind. Je geborgener es ist, desto mehr wird es auskundschaften, ausprobieren und Neues beherrschen lernen.

 

Lobe Dein Kind in Zusammenhang mit Erfolgen und nicht, damit es sich besser fühlt, wenn es gescheitert ist. Passe Dein Lob der Leistung an.

Warte also, bis Dein Kind tatsächlich das Männchen in das Spielzeugauto gesetzt hat, bevor Du applaudierst. Doch behandele diese Leistung nicht, als ob sie erstaunlich wäre.

Hebe den Ausdruck allerhöchsten Lobes für größere Leistungen auf. Z.B. wenn das Kleine zum ersten Mal den Namen der Schwester sagt, oder die ersten Schritte laufen lernt, oder das erste Mal einen Ball gefangen hat.

Das ist auch wichtig für Deine Glaubwürdigkeit in den Augen des Kindes!!! Dies wird im Laufe der Zeit, z.B. wenn Dein Kind in das Teenageralter kommt, sehr wichtig für Dich.

 

Strafe

Bestrafung ruft Angst hervor und blockiert positive Emotionen. Sie verhindert das Meistern von Dingen und lässt das Kind erstarren.

Bestrafungen sind aber nicht so problematisch, wie Leistung ohne Lob.

Bestrafung ist hoch effektiv, wenn es darum geht unerwünschtes Verhalten zu tilgen. (Das zeigen hunderte von Experimenten.) Allerdings kann das Kind in der Praxis oft nicht sagen, wofür es bestraft wurde. Angst und Schmerz ziehen dann die strafende Person in die Gesamtsituation mit ein. Wenn das passiert, wird das Kind generell verängstigt und es wird die bestrafte Verhaltensweise, aber auch die Eltern meiden.

 

Bestrafungen versagen häufig, weil dem Kind die Sicherheitssignale unklar sind.

Wenn Du Dein Kind bestrafst, musst Du sicherstellen, dass es genau weiß, für welches Verhalten es bestraft wird. Beschuldige nicht Dein Kind oder seinen Charakter, sondern die bestimmte Verhaltensweise, die unerwünscht ist.

 

Das heißt. Kündige die Strafe an.

Ein Beispiel: „Lena hör auf Nicki mit Schneebällen zu bewerfen. Du tust ihr weh.“ Ein weiterer Schneeball trifft Nicki. „Wenn Du noch einen Schneeball wirst musst Du reinkommen“. Wieder ein Schneeball.

Mutti holt Kind rein. Kind heult erbarmungslos. Mutter erinnert Kind: „Du hast nicht aufgehört, dies ist die Konsequenz.“. Die Mutter hält das Kind ein paar Minuten bei sich. (Zwei Minuten sind lang für ein Kind) Dann darf es wieder los mit der Ankündigung, dass es wieder ins Haus muss, wenn es weiter Schneebälle nach anderen Kindern wirft.

Gut ist auch die Zeit an Ereignissen festzumachen, da kleine Kinder Schwierigkeiten mit dem Zeitverstehen haben. So kannst Du z.B. sagen: „Nach dem Essen darfst Du wieder nach draußen in den Schnee.“ Oder: „Wenn ich den Abwasch fertig habe..“ Es spricht nichts dagegen Dein Kind solange abzulenken.

 

5.3.7 Smiley- Gesichter

Gebe Deinem Kind zu verstehen, dass es Dich herzlich anlachen soll, wenn es etwas von Ihnen bekommen möchte. Es gibt Kinder, die das „Trotzweinen“ für sich entdeckt haben. Sie weinen solange bis Mama nachgibt. Wenn Du Dein Kind erinnerst, dass es Dich herzlich anlachen soll, kannst Du eine fröhlichere Atmosphäre erschaffen. Zudem hat das Kind gute Gefühle, wenn es lacht, was sich auf die Gesundheit positiv auswirkt und eine positive Assoziationskette nach sich zieht.

Die Voraussetzung für das Smiley- Gesicht eines Kindes ist, dass Mama nicht böse oder genervt guckt, sondern selber ihr Kind anstrahlen kann. Ein böser Blick lässt das Lachen des Kindes im Keim ersticken. 

 

5.3.8 Goldstücke beim Zubettgehen

Weißt Du wie viele positive und wie viele negative Gedanken Dein Kind am Tag hat?

Ein gesunder Mensch sollte zwei positive Gedanken zu einem negativen Gedanken haben. Um als Eltern eine Ahnung davon zu bekommen, was Dein Kind denkt, kannst Du die Minuten nutzen, bevor dein Kind einschläft. Dies kann der wertvollste Teil des Tages sei